Angst, dass eine Auszeit als Schwäche gilt
Die Sorge, eine Auszeit könnte als Schwäche gelten, verhindert oft genau die Erholung, die dringend nötig wäre. Diese Seite zeigt, wie sich dieser Konflikt auflösen lässt.
Was hinter dieser Situation stecken kann
Eine dringend benötigte Auszeit wird nicht genommen, aus Sorge, dadurch als schwach oder weniger belastbar zu gelten. Diese Angst verstärkt die Erschöpfung zusätzlich, statt sie zu lindern. Man will es trotz deutlicher Warnsignale weiter allen zeigen, verwirft die Auszeit gedanklich immer wieder und bildet sich sogar über Kolleginnen, die eine genommen haben, unbewusst ein Urteil.
Mögliche Ursachen:
- Ein Arbeitsumfeld oder eine eigene Überzeugung, in der Belastbarkeit stark idealisiert wird
- Frühere Erfahrungen, in denen Auszeiten negativ bewertet wurden
- Ein starkes eigenes Leistungsideal, das Pausen als Versagen interpretiert
- Die Sorge um berufliche Konsequenzen (Karriere, Ansehen) durch eine sichtbare Auszeit
Typische Gedanken:
- Wenn ich jetzt eine Pause nehme, könnten andere das als Schwäche auslegen
- Ich will nicht als jemand gelten, der es nicht schafft
- Eigentlich bräuchte ich dringend eine Auszeit, aber ich traue mich nicht
- Was, wenn meine Position infrage gestellt wird, wenn ich aussetze?
Typische Situationen:
- Trotz deutlicher Erschöpfungssignale weiterhin volle Leistung erbringen wollen
- Eine mögliche Auszeit wird gedanklich immer wieder verworfen
- Sich bei Kolleginnen und Kollegen, die eine Auszeit genommen haben, unbewusst ein Urteil bilden
- Ein wachsender innerer Konflikt zwischen Erschöpfung und Leistungsanspruch
Wie erfahrene Coaches auf diese Situation schauen
Erfahrene Coaches unterscheiden Belastbarkeit als Wert von Belastbarkeit als Ressource. Als Wert gedacht ist sie eine Charaktereigenschaft, die man ständig unter Beweis stellen muss – jede Pause wäre dann ein Makel. Als Ressource gedacht ist sie ein Konto, das sich durch Arbeit leert und durch Erholung füllt. Eine Auszeit ist dann kein Zeichen von Schwäche, sondern schlicht Auffüllen. Wer sein Konto überzieht, ist danach lange nicht belastbar – das ist die eigentliche Schwäche.
Fragen, die dir helfen können
- Woher stammt meine Vorstellung, dass eine Auszeit Schwäche bedeutet?
- Wie würde ich über eine andere Person urteilen, die eine Auszeit braucht?
- Was würde eine Auszeit tatsächlich kosten - im Vergleich zu den Kosten einer weiteren Erschöpfung?
- Welche kleine, weniger stigmatisierte Form der Entlastung wäre ein erster Schritt?
Was du selbst ausprobieren kannst
- Das eigene Bild von Belastbarkeit und Schwäche kritisch hinterfragen
- Mit einer Vertrauensperson offen über die Sorge vor einer Auszeit sprechen
- Kleinere Formen der Entlastung als ersten Schritt in Betracht ziehen
- Sich bewusst machen, dass Erschöpfung ignorieren langfristig mehr schadet als eine rechtzeitige Pause
Wann Unterstützung sinnvoll sein kann
Wenn die Angst vor einer notwendigen Auszeit selbst zur zusätzlichen Belastung wird, wenn sie eine dringend nötige Erholung verhindert, oder wenn du zwischen Erschöpfung und Leistungsanspruch innerlich zerrissen bist – dann lohnt es sich, dieses Bild anzuschauen.
Wie ein Coach bei diesem Thema helfen kann
Ein Coach hilft, das eigene Bild von Belastbarkeit und Schwäche kritisch zu hinterfragen und mit einer Vertrauensperson offen über die Sorge zu sprechen. Kleinere Formen der Entlastung werden als erster Schritt geprüft. Was sich verändert: Aus «eine Pause wäre ein Eingeständnis» wird «eine Pause ist eine vernünftige Entscheidung».



