Kollege verdient mehr für die gleiche Arbeit
Ein Gehaltsunterschied zwischen Kolleg:innen lässt sich selten allein aus dem Bauchgefühl heraus bewerten - relevante Faktoren wie Verantwortung, Erfahrung und Verhandlungsgeschichte spielen eine Rolle. Diese Seite hilft bei der Einordnung.
Was hinter dieser Situation stecken kann
Zu erfahren, dass ein Kollege oder eine Kollegin für die gleiche Arbeit mehr verdient, kann ein starkes Gefühl von Ungerechtigkeit auslösen – unabhängig davon, ob der Unterschied objektiv begründet ist. Der Vergleich selbst wirkt belastend: Man fühlt sich seither weniger wertgeschätzt und fragt sich, ob man einfach schlechter verhandelt hat oder tatsächlich weniger wert ist.
Mögliche Ursachen:
- Reale Gehaltsunterschiede aufgrund unterschiedlicher Verhandlungsgeschichte bei der Einstellung
- Unterschiede in Zusatzqualifikationen oder Verantwortlichkeiten, die von aussen nicht sichtbar sind
- Strukturelle Ungleichheiten innerhalb des Unternehmens
- Fehlende Transparenz über Gehaltsstrukturen, die Vergleiche erschwert
- Der Vergleich selbst, der unabhängig von der tatsächlichen Differenz belastend wirkt
Typische Gedanken:
- Das ist doch nicht fair, wir machen die gleiche Arbeit
- Was, wenn ich einfach schlechter verhandelt habe?
- Wie soll ich das ansprechen, ohne dass es unangenehm wird?
- Vielleicht bin ich ja doch weniger wert als ich dachte
Typische Situationen:
- Zufällig oder durch ein offenes Gespräch von einem höheren Gehalt eines Kollegen erfahren
- Sich seither weniger wertgeschätzt im Job fühlen
- Überlegen, ob und wie das Thema angesprochen werden soll, ohne die Kollegialität zu belasten
- Die eigene Leistung im Vergleich zur des Kollegen kritisch hinterfragen
Wie erfahrene Coaches auf diese Situation schauen
Erfahrene Coaches unterscheiden den Vergleich vom eigenen Marktwert. Der Vergleich mit dem Kollegen erzeugt Frust, liefert aber keinen Hebel – sein Gehalt kannst du nicht verhandeln, und die Gründe kennst du nicht vollständig. Der eigene Marktwert dagegen ist der Ansatzpunkt: Was ist deine Position anderswo wert, welche Leistung belegst du? Der Kollege war der Anlass, hinzuschauen – aber die Verhandlung führst du über dich.
Fragen, die dir helfen können
- Gibt es objektive Unterschiede in Aufgaben, Verantwortung oder Erfahrung, die den Unterschied erklären könnten?
- Wie verlässlich ist die Information über das höhere Gehalt des Kollegen?
- Was würde ein konstruktives Gespräch mit der Führungskraft über die eigene Gehaltssituation ermöglichen?
- Wie stark beeinflusst der Vergleich das eigene Selbstwertgefühl im Job unabhängig von der tatsächlichen Differenz?
Was du selbst ausprobieren kannst
- Die eigene Leistung und Verantwortung sachlich mit der des Kollegen vergleichen
- Ein Gespräch mit der Führungskraft über die eigene Gehaltssituation suchen, ohne den Kollegen direkt zu erwähnen
- Sich über die marktübliche Gehaltsspanne für die eigene Position informieren
- Prüfen, ob im Unternehmen Transparenzregeln oder Ansprechpartner für Gehaltsfragen existieren
Wann Unterstützung sinnvoll sein kann
Wenn das Gefühl der Ungerechtigkeit stark belastet, wenn du dich seit der Entdeckung im Job weniger wertgeschätzt fühlst, oder wenn du überlegst, das Thema anzusprechen, ohne die Kollegialität oder deine Position zu gefährden – dann hilft eine sachliche Einordnung.
Wie ein Coach bei diesem Thema helfen kann
Ein Coach ordnet die Situation nüchtern ein: Welche Faktoren – Verhandlungsgeschichte, Zusatzqualifikationen, Verantwortung, Struktur – könnten den Unterschied erklären? Dann wird ein Gespräch über das eigene Gehalt vorbereitet, das auf der eigenen Leistung und Marktwerten aufbaut, ohne den Kollegen direkt zu erwähnen. Was sich verändert: Aus Grübeln über eine fremde Zahl wird ein Vorgehen für die eigene.





