Sich entschuldigen, obwohl man selbst verletzt wurde
Sich zu entschuldigen, obwohl man selbst verletzt wurde, muss kein Widerspruch sein - wichtig ist, dass dabei auch die eigene Verletzung Raum bekommt. Diese Seite zeigt, wie beides zusammengebracht werden kann.
Was hinter dieser Situation stecken kann
Auch wenn man selbst verletzt wurde, fühlt sich am Ende oft die eigene Entschuldigung notwendiger an als die der anderen Person. Dieses Ungleichgewicht wirft die Frage auf, warum ausgerechnet man selbst den ersten Schritt macht. Man fühlt sich innerlich zerrissen zwischen der eigenen Verletzung und dem Wunsch nach Versöhnung, spricht eine Entschuldigung aus, ohne dass die eigene Verletzung zur Sprache kommt, und behält hinterher ein ungutes Gefühl über das eigene Nachgeben.
Mögliche Ursachen:
- Ein starkes Bedürfnis nach Harmonie, das eigene Verletzung zurückstellt
- Die Sorge, dass ohne eigene Entschuldigung der Konflikt nie endet
- Erlernte Muster aus früheren Beziehungen, in denen man für Konflikte verantwortlich gemacht wurde
- Die eigene Rolle im Konflikt ist tatsächlich teilweise mitverantwortlich, auch wenn man selbst verletzt wurde
Typische Gedanken:
- Warum entschuldige immer ich mich, obwohl ich verletzt wurde?
- Ich will den Streit beenden, auch wenn das unfair erscheint
- Vielleicht trage auch ich einen Teil der Verantwortung
- Es fühlt sich falsch an, mich zu entschuldigen, wenn ich mich selbst verletzt fühle
Typische Situationen:
- Nach einem Streit die Entschuldigung übernehmen, um die Spannung zu beenden
- Sich innerlich zerrissen fühlen zwischen eigener Verletzung und dem Wunsch nach Versöhnung
- Eine Entschuldigung aussprechen, ohne dass die eigene Verletzung angesprochen wird
- Im Nachhinein ein ungutes Gefühl über das eigene Nachgeben haben
Wie erfahrene Coaches auf diese Situation schauen
Erfahrene Coaches unterscheiden eine Entschuldigung von einem Urteil über den ganzen Konflikt. «Es tut mir leid, dass ich …» bezieht sich auf den eigenen Anteil – es spricht die andere Seite nicht frei und behauptet nicht, dass die eigene Verletzung nicht zählt. Viele vermeiden die Entschuldigung, weil sie fürchten, damit die ganze Schuld zu übernehmen. Man kann beides sagen: den eigenen Anteil anerkennen und die eigene Verletzung benennen – im selben Gespräch.
Fragen, die dir helfen können
- Wofür genau möchte ich mich entschuldigen - für meinen eigenen Anteil oder um Ruhe zu haben?
- Habe ich meine eigene Verletzung der anderen Person überhaupt schon mitgeteilt?
- Kann eine Entschuldigung und das Ansprechen der eigenen Verletzung gleichzeitig Platz haben?
- Was würde mir helfen, mich nicht nur als "die Nachgebende" zu erleben?
Was du selbst ausprobieren kannst
- Den eigenen Anteil am Konflikt von der eigenen Verletzung klar trennen
- Beides im Gespräch ansprechen: die eigene Entschuldigung UND die eigene Verletzung
- Sich bewusst machen, dass eine Entschuldigung nicht automatisch die andere Seite entlastet
- Ein Gespräch suchen, das Raum für beide Seiten der Geschichte lässt
Wann Unterstützung sinnvoll sein kann
Ein Coaching kann helfen, wenn sich das Muster wiederholt, in Konflikten überwiegend die eigene Entschuldigung zu übernehmen, ohne dass die eigene Verletzung gehört wird. Ein Anzeichen ist die wiederkehrende Frage, warum immer man selbst einlenkt.
Wie ein Coach bei diesem Thema helfen kann
Im Coaching wird ein Weg entwickelt, Verantwortung zu übernehmen, ohne die eigene Verletzung dabei zu verschweigen. Man trennt den eigenen Anteil am Konflikt klar von der eigenen Verletzung und bereitet ein Gespräch vor, das beides ansprechen kann – die eigene Entschuldigung und die eigene Verletzung. Was sich verändert: Eine Entschuldigung fühlt sich nicht mehr wie Selbstverleugnung an.

