Trotz Erfolg das Gefühl, ein Hochstapler zu sein
Das Gefühl, trotz Erfolg ein Hochstapler zu sein, ist weitverbreitet und hat wenig mit der tatsächlichen Kompetenz zu tun - es sagt mehr über den eigenen inneren Massstab aus. Diese Seite zeigt, wie sich dieses Muster erkennen und verändern lässt.
Was hinter dieser Situation stecken kann
Trotz sichtbarer beruflicher Erfolge bleibt das Gefühl, eigentlich ein Hochstapler zu sein – als hätte man alle getäuscht und werde bald «entlarvt». Charakteristisch ist, dass äussere Bestätigung dieses Gefühl nicht auflöst: Jede neue Aufgabe wird zum nächsten möglichen Auffliegen, jeder Erfolg zu Glück statt Können umgedeutet. Das sogenannte Impostor-Erleben sagt darum wenig über die tatsächliche Kompetenz aus und viel über den inneren Massstab, an dem sie gemessen wird.
Mögliche Ursachen:
- Ein hoher, oft unrealistischer Massstab an die eigene Leistung
- Erfolge werden eher äusseren Umständen als der eigenen Fähigkeit zugeschrieben
- Frühere Erfahrungen, in denen Leistung nie als "genug" anerkannt wurde
- Der Vergleich mit vermeintlich souveräneren Kolleginnen und Kollegen
Typische Gedanken:
- Irgendwann werden alle merken, dass ich das eigentlich nicht kann
- Ich hatte einfach nur Glück, nicht wirklich Können
- Andere sind bestimmt kompetenter als ich, auch wenn es nicht so aussieht
- Ich müsste eigentlich viel sicherer auftreten, so wie ich wirke
Typische Situationen:
- Nach einem grossen Erfolg eher Erleichterung als Stolz empfinden
- Sich vor neuen Aufgaben besonders stark unter Druck setzen, um "nicht aufzufliegen"
- Erfolge schnell relativieren, sobald sie von anderen angesprochen werden
- Sich in Meetings oder bei Präsentationen unsicherer fühlen, als es die eigene Erfahrung rechtfertigen würde
Wie erfahrene Coaches auf diese Situation schauen
Erfahrene Coaches weisen auf einen Denkfehler hin, der dem Impostor-Gefühl zugrunde liegt: die Annahme, kompetente Menschen fühlten sich sicher. Tatsächlich ist oft das Gegenteil der Fall – wer ein Feld gut kennt, sieht auch, wie viel er noch nicht weiss, während Anfänger ihre Lücken gar nicht bemerken. Das Gefühl der Unsicherheit ist also häufig ein Zeichen von Sachverstand, nicht von dessen Fehlen. Diese Umdeutung nimmt dem Gefühl nicht die Unannehmlichkeit, aber ihre Beweiskraft.
Fragen, die dir helfen können
- Welche konkreten Belege gibt es für meine tatsächliche Kompetenz, unabhängig vom eigenen Gefühl?
- Woher stammt mein besonders hoher Massstab an mich selbst?
- Wie würde ich die Leistung einer anderen Person in meiner Position bewerten?
- Was würde sich ändern, wenn ich einen Erfolg einmal uneingeschränkt annehme?
Was du selbst ausprobieren kannst
- Eigene Erfolge und die dazugehörigen konkreten Leistungen bewusst dokumentieren
- Lob und Anerkennung bewusst annehmen, statt sie zu relativieren
- Mit anderen offen über das Gefühl des Hochstaplers sprechen - es ist verbreiteter, als es scheint
- Den eigenen inneren Massstab realistisch statt perfektionistisch neu justieren
Wann Unterstützung sinnvoll sein kann
Wenn du vor neuen Aufgaben regelmässig unter den Druck gerätst, «nicht aufzufliegen», wenn du Lob sofort relativierst oder wenn das Gefühl deine berufliche Entwicklung bremst – etwa weil du dich nicht auf eine Stelle bewirbst, die du eigentlich könntest –, dann lohnt sich Begleitung. Sinnvoll ist Coaching auch, wenn du nach aussen souverän wirkst, innerlich aber ständig gegen die Angst vor dem nächsten Test anarbeitest.
Wie ein Coach bei diesem Thema helfen kann
Ein Coach macht den inneren Massstab sichtbar: Woran genau misst du «genug», und wessen Stimme steckt dahinter? Ein bewährter erster Schritt ist ein Kompetenz-Journal, in dem konkrete Leistungen und die dafür nötigen Fähigkeiten festgehalten werden – Fakten, die dem Gefühl etwas entgegensetzen. Parallel wird geübt, Anerkennung anzunehmen, statt sie zu entwerten. Was sich verändert: Der Abstand zwischen dem, was du objektiv leistest, und dem, was du dir zugestehst, wird kleiner.





