Sich nach einem Fehler tagelang selbst fertigmachen
Sich nach einem Fehler tagelang selbst fertigzumachen, hilft selten dabei, den Fehler künftig zu vermeiden - meist kostet es nur unnötig Kraft. Diese Seite zeigt, wie ein konstruktiverer, fairerer Umgang mit eigenen Fehlern gelingt.
Was hinter dieser Situation stecken kann
Ein Fehler wird nicht nur bemerkt und korrigiert, sondern löst tagelange Selbstkritik aus – man «macht sich selbst fertig», auch wenn der Fehler objektiv klein oder folgenlos war. Der Fehler wird gedanklich über Tage wiederholt durchgespielt, die Selbstkritik hält länger an, als er rechtfertigt, und das kostet viel Kraft.
Mögliche Ursachen:
- Ein hoher, oft unrealistischer Perfektionsanspruch an sich selbst
- Fehlende Fähigkeit, einen Fehler zeitlich und emotional abzuschliessen
- Frühere Erfahrungen, in denen Fehler besonders hart bewertet wurden
- Die Vorstellung, harte Selbstkritik sei notwendig, um Fehler zukünftig zu vermeiden
Typische Gedanken:
- Ich mache mir wegen dieses Fehlers tagelang Vorwürfe
- Ich kann einfach nicht aufhören, darüber nachzudenken
- Ich bin so streng mit mir selbst, viel strenger als mit anderen
- Wann ist es endlich genug mit dieser Selbstkritik?
Typische Situationen:
- Ein kleiner Fehler wird gedanklich über Tage hinweg wiederholt durchgespielt
- Die eigene Selbstkritik hält deutlich länger an, als der Fehler objektiv rechtfertigen würde
- Andere reagieren auf denselben Fehler deutlich gelassener
- Ein Gefühl von Erschöpfung durch die anhaltende innere Selbstverurteilung
Wie erfahrene Coaches auf diese Situation schauen
Erfahrene Coaches unterscheiden Selbstkritik als Lehrer von Selbstkritik als Wärter. Die harte innere Stimme behauptet, sie diene dem Lernen – «wenn ich mich nicht fertigmache, passiert es wieder». Tatsächlich lehrt sie nichts: Sie wiederholt nur den Vorwurf. Der ruhige, ehrliche Rückblick – was genau ist passiert, was mache ich beim nächsten Mal anders – bringt den Lerneffekt, den die Selbstverurteilung nur vortäuscht. Der Wärter hält gefangen; der Lehrer lässt weitergehen.
Fragen, die dir helfen können
- Wie lange beschäftige ich mich üblicherweise mit einem Fehler - und steht das im Verhältnis zu seiner tatsächlichen Bedeutung?
- Was genau bringt mir die anhaltende Selbstkritik - verhindert sie wirklich zukünftige Fehler?
- Wie würde ich reagieren, wenn eine nahestehende Person denselben Fehler gemacht hätte?
- Was würde ein bewusster, fairer Abschluss mit diesem Fehler für mich bedeuten?
Was du selbst ausprobieren kannst
- Sich für die Verarbeitung eines Fehlers eine bewusste, begrenzte Zeit setzen
- Nach dieser Zeit den Fehler aktiv abschliessen, z. B. durch eine kurze schriftliche Reflexion
- Selbstkritik durch eine konkrete, konstruktive Erkenntnis ersetzen
- Sich bewusst mit mehr Mitgefühl statt Härte begegnen
Wann Unterstützung sinnvoll sein kann
Wenn sich nach kleinen Fehlern anhaltende, harte Selbstkritik zeigt, die deine Kraft und Stimmung deutlich beeinträchtigt, wenn du dir tagelang Vorwürfe machst, oder wenn du viel strenger mit dir bist als mit anderen – dann lohnt es sich, einen anderen Umgang zu entwickeln.
Wie ein Coach bei diesem Thema helfen kann
Ein Coach hilft, sich für die Verarbeitung eines Fehlers eine bewusste, begrenzte Zeit zu setzen, ihn danach aktiv abzuschliessen – etwa mit einer kurzen schriftlichen Reflexion – und die Selbstkritik durch eine konkrete, konstruktive Erkenntnis zu ersetzen. Was sich verändert: Der Fehler bekommt ein Ende.





