Ständig Überstunden, weil es alle machen
Eine Präsenzkultur, in der alle länger bleiben, lässt sich nur schwer allein durchbrechen - aber ein bewusster, gut begründeter erster Schritt ist möglich. Diese Seite zeigt, wie das gelingen kann.
Was hinter dieser Situation stecken kann
Ständig Überstunden zu machen, nur weil es alle im Team so handhaben, führt zu einer stillen Präsenzkultur, aus der auszubrechen sich schwierig anfühlt – obwohl der Wunsch nach geregeltem Feierabend klar ist. Man bleibt länger, obwohl die Arbeit erledigt wäre, fühlt sich unwohl, als Erste das Büro zu verlassen, und die Erschöpfung wächst, ohne dass sich am Verhalten etwas ändert.
Mögliche Ursachen:
- Eine ungeschriebene Erwartungshaltung im Unternehmen, dass Mehrarbeit selbstverständlich ist
- Die Sorge, als weniger engagiert zu gelten, wenn pünktlich Feierabend gemacht wird
- Fehlende klare Kommunikation der Führung über tatsächlich erwartete Arbeitszeiten
- Der soziale Druck, sich an das Verhalten der Kolleg:innen anzupassen
- Fehlende eigene Grenzen, die konsequent kommuniziert werden
Typische Gedanken:
- Wenn ich pünktlich gehe, wirke ich weniger engagiert
- Alle anderen bleiben auch länger, also mache ich das auch
- Ich würde gerne früher gehen, traue mich aber nicht
- Diese Kultur ist eigentlich nicht gesund, aber niemand spricht das an
Typische Situationen:
- Regelmässig länger bleiben, obwohl die eigentliche Arbeit erledigt wäre
- Sich unwohl fühlen, als Erste:r das Büro zu verlassen
- Überstunden werden weder erfasst noch ausgeglichen, gelten aber als normal
- Die eigene Erschöpfung wächst, ohne dass sich am Verhalten etwas ändert
Wie erfahrene Coaches auf diese Situation schauen
Erfahrene Coaches unterscheiden Präsenz von Ergebnis. Eine Präsenzkultur belohnt, wer lange da ist – nicht, wer viel schafft. Das ist eine schwache Logik, aber eine wirksame soziale Norm. Der Ausstieg gelingt selten durch eine Grundsatzdebatte, sondern durch ein leises Faktum: an ein, zwei Tagen pünktlich gehen, die Ergebnisse liefern, beobachten, dass nichts passiert. Das verschiebt die eigene Wahrnehmung – und manchmal die des Teams.
Fragen, die dir helfen können
- Gibt es tatsächlich eine explizite Erwartung an Mehrarbeit, oder ist es eine unausgesprochene Norm?
- Was würde konkret passieren, wenn pünktlich Feierabend gemacht wird?
- Wie könnte ein Gespräch mit der Führung über die tatsächlich erwartete Arbeitszeit aussehen?
- Welche eigenen Grenzen sollen ab sofort konsequent eingehalten werden?
Was du selbst ausprobieren kannst
- Die tatsächlich geleisteten Überstunden über einen Zeitraum dokumentieren
- Ein klärendes Gespräch mit der Führungskraft über die erwartete Arbeitszeit suchen
- Bewusst an einzelnen Tagen pünktlich Feierabend machen, um die eigene Reaktion und die des Umfelds zu beobachten
- Sich mit Kolleg:innen austauschen, die ähnlich empfinden, um gemeinsam Veränderung anzustossen
Wann Unterstützung sinnvoll sein kann
Wenn die Präsenzkultur stark belastet, wenn du pünktlich gehen möchtest, dich aber nicht traust, oder wenn dein Ausstieg allein schwerfällt – dann lohnt sich ein bewusster, gut begründeter erster Schritt.
Wie ein Coach bei diesem Thema helfen kann
Ein Coach hilft, die tatsächlich geleisteten Überstunden zu dokumentieren, ein Gespräch mit der Führung über die erwartete Arbeitszeit vorzubereiten und bewusst an einzelnen Tagen pünktlich zu gehen, um die eigene Reaktion und die des Umfelds zu beobachten. Was sich verändert: Aus stillem Mitmachen wird ein geprüfter, begründbarer Ausstieg.

